Zum Beispiel Sebastians Berufsausbildung
Sebastian hat im Berufsbildungswerk Raumausstatter gelernt und mit der Gesellenprüfung abgeschlossen. Er fand gleich einen Arbeitsplatz, verdient auch recht gut. Als Sebastian in das Berufsbildungswerk kam, war dieser erfolgreiche Weg noch nicht zu sehen. Er war aus der Förderschule mit recht schlechten Noten entlassen worden, war körperlich untrainiert und wenig belastbar, und hatte auch keine Freude an handwerklich-körperlicher Tätigkeit. Er hatte keine Ahnung, was er werden wollte.
Im Förderlehrgang entdeckte er, dass er handwerkliches Geschick hatte. Sein Aufstieg fing damit an, dass er an gestalterischen Arbeiten Freude hatte. Das entdeckte er im Internat: Dekorieren für Feste und Feiern, auch etwas Entwerfen: das gefiel ihm. Bald war auch im Förderlehrgang zu sehen, dass Sebastian Raumausstatter werden könnte - wenn nur seine geringe körperliche Belastbarkeit und seine schlechten Schulleistungen nicht wären.
Die Sache mit der körperlichen Belastbarkeit war nicht so schwierig. Sebastian saß in seiner Freizeit nicht mehr so viel herum, ging mit anderen Jugendlichen fort, er wurde insgesamt aktiver. So kam er zum Joggen, und das macht er übrigens noch heute in seiner Freizeit.
Schwieriger war es mit den Schulleistungen. Lesen konnte er einigermaßen, aber schriftlich konnte er sich eigentlich nicht mitteilen. Ein Legasthenietraining - das dauerte zwei Jahre! - half so viel, dass das Lesen der von ihm geschriebenen Texte kein Problem mehr ist.
Noch schwieriger war das Rechnen. Sobald er einfache geometrische Aufgaben oder Textaufgaben vor sich hatte, versagte er. Das viele Üben war schwierig, und hier brauchte er viel Hilfe zum Durchhalten. Entscheidend war, dass er an der praktischen Ausbildung Freude hatte und erkannte, dass für die praktischen Arbeiten etwas Rechnen unverzichtbar ist. Wenn er das Rechnen in engem Zusammenhang mit seiner Arbeit üben konnte, verstand er die Aufgaben besser. Dies wurde ausgenützt, er übte eigentlich nur noch an Beispielen aus seiner aktuellen praktischen Arbeit. Trotzdem war vor der Prüfung noch eine sehr gezielte Vorbereitung mit alten Prüfungsaufgaben notwendig.